Permakultur in der WILDSTADT

Permakultur in der WILDSTADT

Seit knapp einem Monat arbeiten wir an unserem ersten Projekt: Permakultur in der WILDSTADT. Die WILDSTADT soll ein Gemeinschaftsgarten werden. Dazu inspiriert wurden wir durch andere Projekte, wie die Huertas Urbanas in Santiago de Chile. 

Eine weitere Inspirationsquelle war der Film Tomorrow. Ein Kapitel dieses Films thematisiert die Landwirtschaft. Es wird erklärt, dass nur ein geringer Teil der weltweiten Landwirtschaft zur Ernährung der Weltbevölkerung beiträgt. Ein beträchtlicher Teil dieser Ernährer setzt zudem auf Regionalität und geht weg von der Monokultur in Richtung Permakultur. Permakultur kann die Lösung sein, für:

  • permanenten Ertrag, ohne den Boden auszulaugen
  • ein Leben mit und nicht gegen die Natur
  • weg von der Konsum- und Wegwerfgesellschaft und hin zu einem nachhaltigem Lebensstil

Der Begriff Permakultur setzt sich zusammen aus permanent und Agrikultur. Es gibt viele Ansätze und Literatur zu Permakultur. Vieles davon möchten wir auch in der WILDSTADT anwenden und dort einen Permakulturgarten entstehen lassen. Was wir im letzten Monat gelernt und umgesetzt haben, erklären wir in diesem Artikel. Nun also zur Sache.

Beobachten und Entscheiden

Ein wichtiger Grundsatz der Permakultur ist, von der Natur zu lernen, sie zu verstehen und mit ihr zu arbeiten. Dazu ist es wichtig dein Grundstück kennen zu lernen. Laut Bill Morisson, einem der Begründer der Permakultur, soll dieser erste Schritt ein Jahr lang dauern. Wenn du die Zeit hast, warum nicht. Wir wollten trotzdem schon anfangen und haben uns für learning by doing entschieden. Bei 1000qm können wir, während wir hier und da anfangen, gleichzeitig beobachten. 

Beim Beobachten unseres Grundstücks haben wir schon Einiges gelernt, wie ihr gleich lesen könnt.

Sonne- und Schattenseiten

Trotz Nordwesthang haben wir einen sehr sonnigen Grund. Morgens dauert es etwas, bis die Sonne aus dem östlich gelegenen Wald hervortritt. Ab spätestens 11:00 Uhr ist sie jedoch da und bleibt bis sie im Westen hinter hohen Bäumen verschwindet. Das ist erst gegen 20:00 Uhr der Fall. Es ist noch Frühling und wir haben somit schon 9 Sonnenstunden am Tag – tolle Voraussetzungen.

Diese Voraussetzungen hatten mehrere Entscheidungen zur Folge: wir pflanzten die meisten Bäume an den Nord- und den Ostrand des Grundstücks. So werden sie keinen Schatten auf unser Grundstück werfen. Nur unser Apfelbaum ist weiter ins Grundstück gerückt. Weshalb? Das erfahrt ihr später.

Alle unsere Obstbäume und -reben lieben die Sonne, jedoch brauchen sie manche mehr als andere. Wein ist in Salzburg weniger gängig. Trotzdem wollten wir es versuchen und haben für unsere beiden Weinreben die besten Sonnenplätze ausgesucht. Sie befinden sich am höchsten und steilsten Hang unseres Grundes, dort, wo die Sonne als Erstes hinkommt und bis zum Untergang bleibt.

Die Zwetschke kommt besser mit Schatten klar als der Rest. Deshalb bekam sie einen Platz an der etwas schattigeren Nord-Ost-Spitze. Unser Pfirsich liegt am weitesten im Westen des Grundstücks. Denn er mag die Mittags- und Abendsonne am Liebsten. 

Eine weitere Entscheidung war alle hochwachsenden Pflanzen, wie unsere Himbeeren und Erbsen in Nord-Süd-Reihen auszurichten. So können wir sicherstellen, dass alle Pflanzen so viel Sonnenstrahlen wie möglich abbekommen.

Die WILDSTADT rutscht

Wir haben zwei natürliche Terrassen in der WILDSTADT. Das finden wir ziemlich cool und möchten diese Terrassen auch behalten. Jedoch rutscht der Hang jedes Jahr um ca. 2cm. Das heißt die Zufahrt oberhalb der WILDSTADT wird uns irgendwann in den Garten fallen. Das möchten wir mit Hilfe unserer Tiefwurzler verhindern. Unsere Birne und die beiden Weine haben wir deshalb als Stützen an den steilsten Hang gepflanzt, gleich unterhalb der Zufahrt.  

Den zweiten Hang, der etwas weniger steil ist, stützen unsere Kirsche und der Apfel. Der Apfel war ursprünglich nicht dafür geplant gewesen. Er hätte eigentlich an die Stelle des Wasserlochs (auf dem Lageplan oben zu sehen) gepflanzt werden sollten. Jedoch liegt das Wasserloch an einer tiefen Stelle, an der ein großer Teil des Regenwassers zusammenfließt. Dies stellten fest, als das Loch bereits ausgehoben war und es regnete. Staunässe mag kein Baum. So bekam der Apfel zwei neue Aufgaben: den Hang stützen und in Zukunft Schatten spenden. Zumindest einen schattenspendenden Baum auf dem Grund hielten wir doch für eine gute Idee.

Mehr als eine Funktion

Ebenso wie den Apfel pflanzen wir alle Pflanzen in der WILDSTADT so, dass sie mehrere Funktionen haben. Sie sollen sich gegenseitig ergänzen und stärken. Permakultur bedeutet auch Effizienz. Hier ein paar Beispiele:

Knoblauch: beim Beobachten der WILDSTADT fanden wir einige Löcher und unterirdische Gänge im Boden. Ein deutliches Zeichen für Wühlmäuse. Knoblauch ist eine der Duftpflanzen, die Wühlmäuse nicht riechen können. Also haben wir überall Knoblauch verteilt. 

Himbeeren und Minze pflanzten wir neben den größten Totholzhaufen. Aus diesem treten bereits wieder die Brombeerstauden hervor. Wegen des Totholzes können wir dort noch nicht mähen. Die Himbeeren und Minze sollen die Brombeeren in Schach halten. 

Bohnen: die Bohnen haben wir östlich des Pfirsichs gepflanzt. Der Pfirsich mag gern eine Schutzwand hinter sich. Die Bohnen werden diesen Schutz bieten, bis wir einen festen gebaut haben. Wir haben z.B. an ein Gewächshaus gedacht.

Das Beste aus dem machen, was da ist

Das Beobachten und arbeiten mit der Natur ermöglicht besondere, natürliche Effizienz. Zu dieser gehört aber auch, das Beste aus dem zu machen, was da ist. Für die WILDSTADT haben wir dieses Prinzip so gut wie möglich verfolgt. Neu gekauft haben wir samenfeste Samen, um mehr Vielfalt zu erhalten, etwas Mist und Humus vom Bauern für unsere Bäume sowie die Bäume selbst. Auch die Hasengitter für die Wühlmauskörbe haben wir käuflich erworben. Diese bauten wir als Schutz für das Wurzelwerk vor unseren Wühlfreunden in die Baumlöcher ein. Natürlich nicht, um die Mäuse zu fangen. Wir werden uns schon mit ihnen arrangieren. Das war es mit Konsum als Starthilfe. Nun geht es um das, was schon da ist.

Unseren Kompost bauten wir aus Totholz. Hierzu rammten wir ein paar starke Äste in die Erde und flechteten dünnere, längere Äste in diese ein. So entstand ein natürlicher, funktionaler Kompost in weniger als zwei Stunden.

Für die Rutschsicherung unserer Bäume an den Hängen recycelten wir Materialien aus den Abfallcontainern einer Baufirma. Zudem nutzten wir die lehmige Erde aus den Baumlöchern zur Sicherung. 

Einige unserer Pflanzen sind mehrjährige Ableger aus den Gärten von Freunden, Familie und Bekannten. Hierzu gehören die Minze, der Mangold, die Himbeeren und der Oregano. Das Gute daran: die Pflanzen wurden bereits getestet und für gut befunden. Sie wurden gern abgegeben, da der Platz für sie in der alten Heimat begrenzt war. Vor einer solchen Umsiedelung solltest du dich informieren, welche Schädlinge die Vorbesitzer in ihrem Garten haben damit du dir diese nicht einschleppt.

Permakultur ist sozial

Zum Nachhaltigkeitsgedanken gehört die soziale Nachhaltigkeit ebenso wie zur Permakultur. Permakultur kann nur permanent sein, wenn du deinen Grund so gestaltest, wie er dich glücklich macht. Du solltest dort gerne Zeit verbringen und dich wohl und nicht überfordert fühlen. Für uns gehört dazu auch, dass wir bei unserem Projekt gute Gesellschaft haben. Wir verbringen gern Zeit mit Freunden und Gleichgesinnten. Deshalb soll die WILDSTADT ein Gemeinschaftsprojekt bleiben und so gestaltet werden, dass sie eine Wohlfühloase für uns alle wird. Wir planen daher in Kürze ein Kompostklo für uns und zur Düngung der WILDSTADT. Wir möchten wertvollen Dünger und nicht mehr auf Trinkwasser scheißen.

Außerdem soll die WILDSTADT kinderfreundlich werden. Wir haben bereits ein Baby im Team (Tendenz steigend), das einen sicheren Platz zum Spielen bekommen soll. Vielleicht im Schatten unseres Apfelbaums? Weitere Wünsche des Teams sind der Anbau von Hopfen für eigenes Bier, der Bau eines Hügelbeets, eine Kräuterschnecke uvm. In der WILDSTADT werden wir unseren WILDTRAUM leben und berichten, wie es kreativ weitergeht. Wie sieht deine WILDSTADT aus? 

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