Plastik erkennen und vermeiden

Plastik erkennen und vermeiden

Die Gewässer und Meere sind bereits kontaminiert mit unserem Plastikmüll und viele Meerestiere verenden daran. Schildkröten z.B. halten Plastiktüten/-sackerl für Quallen und damit für Beute. Sie verschlingen sie und füllen ihre Mägen damit. Jedoch werden sie hierbei nicht satt. Verdauen können sie das Plastik auch nicht und verhungern daher trotz vollem Magen. Andere Meeresbewohner und Vögel verheddern sich in Plastikartikeln und sterben an den Verletzungen bei dem Versuch sich zu befreien.

Plastik schadet dir und mir

Nicht nur die Tierwelt kommt durch den Kontakt mit Plastik zu Schaden. Denn auch in unseren Textilien, wie Kleidung und Wäsche befindet es sich. Ebenso wie in unseren Reinigungs- und Hygieneprodukten. Darüber hinaus kommt kaum eine Verpackung, ein Haushaltsartikel, ein Baustoff ohne Plastik aus. In Form von Mikro- und Nanopartikeln landet es im Abwasser und gelangt somit in den Wasserkreislauf. Daher ist es mittlerweile in zahlreichen Nahrungsmitteln wie Salz, Joghurt, Wasser, Milch, Fisch, Fleisch und sogar Bier enthalten.

Durch die Plastikpartikel in unseren Nahrungsmitteln nehmen wir Stoffe auf wie Weichmacher/Phtalate und Bisphenol A (BPA) bzw. Bisphenol S (BPS), die schädlich für uns sind. Um Plastik zu härten und formstabil zu machen, wird beispielsweise Bisphenol A (BPA) eingesetzt. Es ist ein hormoneller Stoff, welcher den Hormonhaushalt stört und zu hormonellen Krankheiten (wie z.B. Nervenschäden, verschlechterte Spermienproduktion, Krebserkrankungen, Diabetes, Fettleibigkeit, Herzkreislauferkrankungen, Veränderung/Störung des Erbguts) führen kann. Mittlerweile wird BPA oft durch BPS ersetzt. Diesem wird jedoch eine ähnliche Wirkung nachgesagt. Weichmacher dienen hingegen dazu, dass Produkte elastischer, flexibler und geschmeidiger werden. Diese Weichmacher entweichen gerne aus den Verpackungen und sind daher in Nahrungsmitteln zu finden. Laut Umweltbundesamt können sie sich negativ auf die Fortpflanzungsfähigkeit auswirken sowie zu Entwicklungsstörungen bei ungeborenen Babys und Leberschäden führen.

Plastikvermeidung ist daher etwas, das wir jedem sehr ans Herz legen möchten. Wir wissen, dass das nicht einfach ist und machen uns viele Gedanken zu diesem Thema. Wir möchten euch gern einige Lösungsansätze und Ideen zur Plastikvermeidung näherbringen und euch damit den Weg in ein plastikfreies Leben erleichtern. Dazu solltet ihr erst einmal wissen, wie ihr Plastik erkennen könnt.

Plastik erkennen

Leider steht auf Produkten nicht „Vorsicht Plastik“ oder „Achtung Kunststoff“ geschrieben. Daher haben wir hier eine Hilfstabelle, auf der du gängige Bezeichnungen für Plastik sowie Beispiele für Produkte, in denen sich diese befinden findest:

BezeichnungKürzelProduktbeispiele
Acrylates CopolymerACHaarwachs, Zahnpasta, Peelings, Gesichtsreiniger
Acrylates CrosspolymerACSSonnenschutz, Cremes, Shampoos, dekorative Kosmetik, Reinigungs- und Waschmittel, Peelings, Gesichtsreiniger
PolyacrylatePAKKunstharze, Farben, Lacke, Kleber, Beschichtungen, Kleidung, Textil
Polyamide (sowie Elestan, Lycra, Nylon)PA, NyldonKleidung, Mikrofasterbettwäsche, – handtücher, Reinigungstücher, Angelschnüre, Fischernetze, Fallschirme, Tennisschlägerbespannungen, Insektennetze, Federbälle, Lack- und Klebstoffe, Gesichtsreinigung, Peeling
PolycarbonatPCCDs, DVDs, Sichtscheiben, Trennwände, Balkonverkleidung, Wintergärten, Türen, Fenster, Aufsteller und Displays
PolyesterPESKleidung, Mikrofaserbettwäsche, – handtücher, Reinigungstücher
PolyethylenPEHaftcreme für Zahnprothesen, Zahnpflegegel, Duschpeeling, Peetlinggel, Gesichtsreiniger, Verpackung für Nahrungsmittel
Polyethylene glycolPEGLotionen, Cremes, Deodorants, Sonnenschutz, Salben
PolyethylenterephthalatPETVerpackung für Nahrungsmittel, (Trink-)Flaschen, fotografische Filme und Magnetbänder, Schreibfolien, Klebebänder, Elektroisolierfolien, elektrische Kleingeräte, Zahnräder, Rollen, Möbelbeschläge
PolymethylmethacrylatPMMAPlexiglas, Brillen- und Uhrgläser, Flachbildschirme, Schalterteile, Skalen, Leuchtenabdeckungen, Oberlichter von Omnibussen, Wohnwagenfenster, Rückstrahler, Rück- und Blinklichtabdeckungen, Lenkradplaketten, Flugzeugverglasungen, Verkehrsschilder, Reklameschilder, Schutzverglasungen von Bankschaltern, Turnhallen und Laboratorien, Schallschutzwände, Leuchten und Leuchtdecken, Lichtkuppeln, Rohre für Milch, Bier und Süßmost, Waschbecken, Badewannen, Badezimmereinheiten, Duschkabinen, WC’s, Warenautomaten, Mess- und Zeichengeräte, Gießharze zum Eingießen von empfindlichen Schaustücken (biologische Objekte), Zahnfüllungen und Prothesen
PolypropylenPPVerpackung für Nahrungsmittel, Serviertabletts, Klebestreifen, synthetische Fasern
Polypropylene glycolPPGWasch- und Reinigungsmittel, Gefrierschutz, Zweikomponenten-Klebstoffe
PolyquaterniumPQGesichtreinigung, Peeling, Shampoos, Duschgels, Conditioner, Cremes, Lotionen, Nagelpflegeprodukte
PolystyrenPSElektrogeräte, Verpackung für Nahrungsmittel, Spielwaren
Polytetrafluorethylen / TeflonPTFE, EFP, PFEPDauerbackfolie, Implantate (Medizin), Schmuck
Polyurethan (sowie Spandex)PURStrümpfe-, Bade-, Unterwäsche und Sportbekleidung, Fliesenfugen
PolyvinylchloridPVCFußbodenbeläge, Armaturen, Verpackungen, (Trink-)flaschen
PolyvinylpolypyrrolidonPPVP, E 1202Bier (Rückstände), Wein (Rückstände), Nahrungsergänzungsmittel , Süßungsmittel, Tabletten (Medizin), Shampoo
Silikone wie:
Dimethiconol, Hydroxylpropyl, Trideceth-12, weitere Bezeichnungen mit Endung auf -cone, -conol, -glycol, -oxane
Shampoos, Conditioner, Haarpflegeprodukte, Backpapier, Backmatten, Backformen

Bei unserer Recherche fiel uns vor allem auf, dass es ein Dschungel bzw. Meer von Bezeichnungen und Endungen gibt. Das macht es in manchen Fällen auch so schwer, diese zu identifizieren. Zur Vereinfachung haben wir deshalb darauf verzichtet die Bezeichnungen in Kategorien einzuteilen. Es sind jedoch gängige dabei, die ihr auf Labeln, Verpackungsböden, in den Inhaltsangaben von Produkten usw. finden könnt. Bedenkt hierbei, dass es Fälle gibt, in welchen ihr nirgends eine Information darüber finden werdet, dass in diesem Produkt Mikro- oder Nanoplastik enthalten sein könnte. Ein Beispiel hierfür ist Bier: PVPP-Granulat wird bei vielen Biersorten zur Produktion eingesetzt. Das Bier bleibt dadurch länger klar und kann infolgedessen länger verkauft werden. Das Granulat wird vor dem Verkauf wieder aus dem Bier gefiltert und muss daher auch nicht deklariert werden. Es ist jedoch umstritten, dass hierbei tatsächlich keine Rückstände im kühlen Getränk bleiben.

Tipps zur Plastikvermeidung

  • Vermeide Produkte, die Plastik beinhalten (Stichwort: CDs, DVSs, Kosmetik, Kleidung)
  • Stelle eigene Naturkosmetikprodukte her – dein Körper wird es dir danken
  • Vermeide generell Produkte, die in Plastik verpackt sind. (Stichwort: Tüten/Sackerl, Becher, Hüllen, Besteck, Teller usw.)
  • Iss im Restaurant, statt Essen (zum Mitnehmen) zu bestellen – es schmeckt frisch so wie so besser
  • Wenn du gerne einen Coffee to go kaufst, dann nimm deinen Kaffeebecher einfach mit
  • Generell ist es gut mit einer Einkaufstasche, ein paar kleineren Taschen (für Brot, Gemüse, Obst), ein (paar) Gefäßen ausgestattet das Haus zu verlassen. So kannst du alles, was du auf dem Weg einkaufst immer selbst, gesund und umweltfreundlich verpacken
  • Benutze statt Backpapier am besten nur das Blech oder zumindest das herkömmliche Butterbrotpapier
  • Kaufe dein Bier/Wein bei einem kleineren, traditionellen Betrieb, den du fragen kannst, wie es produziert wurde oder produziere selbst 😉

Eine Anekdote zum Schluss

Es gab einmal eine Kassiererin eines Mini-Mercados in Chile, die Michi fragte, ob er nicht eine Plastiktüte/ein -sackerl möchte, um seinen Einkauf mitzunehmen. Michi fragte sie, weshalb sie diese anbiete, obwohl es doch per Gesetz verboten sei, diese an Kunden auszuhändigen. Die Kassiererin erwiderte darauf recht hilflos: sie wisse das. Jedoch brächten die meisten Kunden nichts zum Verstauen ihrer Einkäufe mit. – Es liegt also nicht nur am Angebot.

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