Plastikfrei in Salzburg </br>– Ein Unverpacktladen entsteht

Plastikfrei in Salzburg
– Ein Unverpacktladen entsteht

Lange war es ziemlich still auf diesem Blog. Das hatte einen Grund: seit Mai 2020 planen wir einen Unverpacktladen.

Das Projekt „Plastikfrei in Salzburg“ hat uns viel Zeit und Energie gekostet, aber noch mehr Spaß gemacht! Die Ideenschmiede lief jedoch weiter und wir werden noch Einiges berichten, was wir in den letzten Monaten erlebt, gelernt, gebaut und „gebraut“ haben. Diese Pause hatte daher auch viel Gutes, weil wir mehr Erfahrungswerte in petto haben, von denen dir noch berichten werden. Ganz besonders beschäftigt hat uns die Gründung unseres Ladens, wozu wir jetzt mehr erzählen und diesen gleichzeitig ankündigen möchten. (Das ist natürlich Werbung in eigener wunderbarer Sache)

Zero Waste – eine Herausforderung

Schon vor unserer Reise nach Chile und deren abrupten Abbruch im März schwebte diese Idee im Raum. Zum einen, weil es uns stört, dass es leider immer noch unzählige Produkte nicht Einwegplastikfrei zu kaufen gibt und zum anderen diese Problematik immer noch großflächig ignoriert wird. Und das, trotz zahlreicher Aktivitäten von Umweltorganisationen, abschreckender Bilder von Stränden und Meeren voller Plastik. Die Aufklärungsarbeit reicht mittlerweile bis zu den Mainstreammedien durch immer öfter gezeigte Dokumentarfilme. Dennoch reagieren Politik und Wirtschaft nur sehr schleppend oder wenig durchdacht auf diesen „Trend“.

Während unserer Müllsammelaktionen auf der Reise wurde uns erst so richtig bewusst, wie viel Einwegverpackungsmüll in die Natur geworfen wird. Auf den Fotos könnt ihr sehen, wie viel Müll wir, inklusive der Säcke in der sich dieser befindet, in einer halben Stunde gesammelt haben. Und das in einer ländlichen Region. Nun meinen manche vielleicht, das sei nur in anderen Ländern so – leider nein. Seit wir zurück in Salzburg sind, mussten wir feststellen, dass es hier keinesfalls besser ist. Im Gegenteil: der Müll besteht zum Großteil aus Zigarettenstummel, von welchen jeder einzelne bis zu 60 Liter Grundwasser verschmutzt. Zu diesen gesellen sich Bierdosen, leere Einwegplastikflaschen usw. – Mehrweg ist leider noch ein rares Produkt und der Schaden, die Zigarettenreste verursachen, kaum jemandem bekannt.

Beim Müllsammeln wurde unser Wunsch also immer größer auch keinen mehr zu produzieren. Wir brauchen bessere Lösungen und vor allem viel mehr Mehrweg. Also beschlossen wir die gewünschte Veränderung selbst in die Hand zu nehmen und gründen einen Unverpacktladen!

WILD&NACKIG – so entsteht ein Unverpacktladen

Wir hatten einen 28qm kleinen Raum in Salzburg, der so ein Laden werden konnte. Also fingen wir damit an, diesen zu entrümpeln. Als der Raum leer war, kristallisierte sich ziemlich schnell heraus, dass wir ihn für ein Lebensmittelgeschäft kernsanieren müssten… Also gingen wir es an: wir klopften die Wände ab, bohrten und stemmten Löcher, verlegten neue Leitungen, begannen mit Behördengängen und wurden zu selbst ernannten Ladendesignern und -ausstattern.

Umbau Jenni und Michi

Tu Gutes und rede darüber

Während wir umbauten, begannen wir damit Freunde in unsere Pläne einzuweihen. Dadurch wurde das Ganze konkreter. Mehr Hirne und Gedanken brachten sich ein und die Idee nahm Form an. Irgendwann begannen wir damit andere Unverpacktläden zu besuchen und unser Vorhaben weiter zu verbreiten. Wir waren überrascht, wie positiv die Reaktionen waren und wie gut die Community der Unverpacktläden funktioniert und vernetzt ist. Es machte und macht unheimlich Spaß Gleichgesinnte zu treffen, sich mit ihnen auszutauschen und zu merken: es gibt sehr viele, die etwas an unserem Konsumverhalten ändern möchten.

Start der UnverpackTour

Los geht´s in Wien

Lieber Ohne Wien

Wir waren zu Besuch bei Freunden und schauten bei dieser Gelegenheit auch bei Lieber Ohne (unbezahlte Werbung) in Wien vorbei. Wir hatten Glück an diesem Tag Claudia dort anzutreffen. Zusammen mit ihrem Geschäftspartner Markus ist sie Gründerin und Inhaberin des schönen Ladens mit Bistro. Sie nahm sich sehr viel Zeit für uns, erzählte von ihren Erfahrungen, Hürden, den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zum Lebensmittelhandel in Deutschland und des Unverpacktnetzwerks. Auch Crowd Funding war ein Thema. Sie hatten sich vor Ladeneröffnung für eine Crowd Funding Aktion entschieden und meinte, es sei eine gute Marketingmaßnahme gewesen.

Weiter geht’s in Süddeutschland

Nach unserem Besuch in Wien und der Wiederöffnung der Grenzen im Juni stand ein Heimatbesuch bei Jennis Familie an. So verbanden wir diesen mit einem Einkauf bei Sascha in Pforzheim. Ihn hatten wir vorab auch schon über Social Media kontaktiert und uns ausgetauscht. Sascha war für uns eine wirklich große Hilfe und stand uns oft mit gutem Rat zur Seite, wenn wir bei unserer Planung ins Stocken gerieten. Der Besuch seines Ladens Unvperpackt Pforzheim (unbezahlte Werbung) war natürlich ein Highlight auf unserer UnverpackTour und auch danach hatten wir noch lange etwas davon und zwar nicht nur leckere, unverpackte Gummibärchen und Schokolade, sondern auch den wertvollen Tipp zu Maries Workshop nach Kiel (unbezahlte Werbung) zu fahren.

Zwischen Schreibtisch und Baustelle

Bis zum nächsten Offline-Workshop bei Marie vergingen noch ein paar Monate. Die Zeit nutzten wir, um mit unserer Ladenplanung weiter zu kommen. Wir begannen damit nach geeigneten Lieferanten Ausschau zu halten. Dabei suchten wir im Internet, auf Märkten sowie Bauernhöfen und ließen uns von der Inspiration bisher kennengelernter Läden leiten. Auch das war eine sehr wertvolle und spannende Zeit, die uns gezeigt hat, wie viele Unternehmen sehr innovativ und nachhaltig denken und handeln. Es gibt so viele tolle Ideen und Produkte, dass es ein Vergnügen ist, unser Sortiment zusammen zu stellen. Schwierig ist dabei nur, dass es bei unseren überschaubaren 28m² nicht zu viele werden…

WILDundNackig Baustelle

Neben der Büroarbeit ging es auch auf unserer Baustelle weiter. Das war spannend. Auch hier achten wir auf möglichst umweltverträgliche, natürliche und heimische Materialien. Das ist eine Herausforderung. Erstaunlich ist immer wieder, dass es oft viel günstiger ist, umweltschädlich zu bauen/wirtschaften/kaufen. Leider wird der Schaden an der Umwelt bisher weder mit in die Kosten der Materialien eingerechnet noch besteuert. Dennoch kamen diese Optionen für uns nicht infrage, denn wir sind uns sicher: der reale Preis (auch für Umweltbelastung) muss früher oder später „gezahlt“ werden.

Auf in den hohen Norden

Unverpackt Kiel

Im September war es soweit: Zeit die Mutter der deutschen Unverpacktszene kennenzulernen und von der Frau zu lernen, die das Unverpacktkonzept eingeführt hat, bevor überhaupt jemand danach gefragt hatte. Marie hat hier richtige Pionierarbeit geleistet und mit uns ihre Erfahrungen geteilt. Wirklich beeindruckend fanden wir, mit welcher Überzeugung sie das Projekt Unverpackt Kiel (unbezahlte Werbung) gestartet hat. Trotz, dass zu Anfang kaum jemand etwas mit ihrem Konzept anfangen konnte und es auch eine ganze Weile dauerte, bis der Laden eine richtige Kieler Institution wurde. Heute erfreut sich der Laden über viele Stammkunden, die auch gerne vor dem Laden für einen Einkauf Schlange stehen.

Freihandel Eckernförde

Nach einem gelungenen und sehr informativen Workshopwochenende hatten wir noch ein bisschen Zeit. Diese nutzten wir und besuchten auf Maries Empfehlung den Freihandel Eckernförde (unbezahlte Werbung). Der Laden ist etwas versteckt in einem hübschen Hinterhof, der von den Inhaberinnen in einen insektenfreundlichen Garten verwandelt wurde. Drei Jahre hatte es gedauert, bis die beiden das richtige Ladenlokal gefunden hatten. In der Zwischenzeit hatten sie viel Zeit zu planen, was wir bei der Einrichtung sofort erkennen konnten. Karens und Anjas Laden ist so clever eingerichtet, dass sich der Besuch allein um das zu sehen gelohnt hat. Wir hatten das Glück Karen an diesem Tag zu treffen, die uns als richtige Einzelhandelsfachfrau zusätzlich einige wertvolle Tipps zur Einrichtung und Organisation gab.

Zurück in Österreich

Voller Motivation und neuer Ideen ging die Ladenplanung in Salzburg weiter. Durch die Zusage des Bauamts konnten wir nun besser einschätzen, wann wir den Laden planmäßig eröffnen können. Leider wird es sich vor Weihnachten nicht mehr ausgehen. Im Dezember zu eröffnen wäre natürlich genial gewesen. Aber was soll’s: neues Jahr neues Glück. Wir planen die Eröffnung im Jänner 2021 und werden die Feiertage nutzen, um den Laden richtig schick und gemütlich werden zu lassen.

Unpackbar füll dich gut

Bevor wir im November in Salzburg wieder „eingelockt“ wurden, besuchte Jenni noch die beiden Greißlerinnen Christina und Tina in Linz. Auf diesen Besuch hatte sie sich schon lange gefreut, denn die Website von Unpackbar und das Imagevideo der beiden Ladnerinnen macht richtig Lust, die beiden und ihren Laden kennenzulernen. Dieser erste Eindruck bestätigte sich vor Ort. Die beiden sind nicht nur unheimlich sympathisch, sondern stehen auch zu 100% hinter der zero waste-Philosophie.

Die heiße Phase vor der Eröffnung

Mittlerweile haben wir ein tolles Netzwerk um uns, das uns immer mehr Motivation, Vertrauen und Überzeugung für unser Projekt gibt. Mit all dem Input und den Erfahrungswerten, die uns die Unverpacktcommunity mitgegeben hat, fühlen wir uns nun gewappnet unser Projekt WILD&NACKIG in Salzburg Realität werden zu lassen. Das möchten wir mit euch teilen und werden deshalb weiter auf diesem Blog und unserer Ladenwebsite berichten, wie es mit uns und WILD&NACKIG weitergeht. Auf unseren Social Media Accounts (Facebook und Instagram) werdet ihr immer wieder Infos zum Status quo erhalten und könnt uns auch gerne unter diesem Beitrag oder auf diesen Kanälen eure Wünsche und euren Input mitteilen. Wir freuen uns auf euch, Michi und Jenni.

Schreibe einen Kommentar