Raus aus dem Winterschlaf und Igeln helfen

Raus aus dem Winterschlaf und Igeln helfen

Der Frühling ist da: die ersten Blumen blühen, die Bäume bilden Knospen und das Wetter wird immer besser. Auch die ersten Igel erwachen aus dem Winterschlaf und so haben wir gestern „Purzel“ wieder getroffen. Er ist ein Jungigel, den wir bereits kennen. Im Herbst hatten wir ihn an unserer Futterstelle gefunden. Es war November, bereits unter 8°C Tagestemperatur und er hatte nur 500 Gramm. Für einen jungen Igel ist das ziemlich wenig zu dieser Jahreszeit. Da wir jedoch einige Futterstellen im Garten eingerichtet hatten, kam er heil durch den Winter. 

„Purzel“ auf dem Weg zur Futterstelle

Igeln helfen mit dem richtigen Futter

In unserem Garten befinden sich stets Futterstellen für Igel. An diesen finden sie Katzentrockenfutter und Wasser (sehr wichtig). Manchmal gibt es zusätzlich besondere Leckerbissen wie Katzennassfutter oder Avocado. Wir legen Zeitungspapier unter den Napf, da Igel dazu neigen „ihre“ Futterstelle zu markieren. Mit dem Zeitungspapier können wir diese Markierungen einfach entfernen. Gerade für junge Igel wie „Purzel“ sind diese Futterstellen jetzt eine große Hilfe. Der Winterschlaf hat sie viel Kraft und Energie gekostet. Etwas Unterstützung bei der Nahrungssuche hilft ihnen nun, wieder zu Kräften zu kommen. 

Igeln helfen kannst du, indem du ihnen eine Futterstelle einrichtest. Sie werden sich im Frühling darüber freuen. Worauf du achten solltest ist jedoch, dass auch Katzen gerne diese Futterstellen plündern. Bestenfalls richtest du die Futterstelle so ein, dass keine Katze an das Futter rankommt. 

WILDTIERE im Garten – Unsere Erfahrungen mit Igeln 

Über den Winter leben mehrere Igel in unserem Garten. Sie besuchen unsere Futterstellen, wenn sie selbst nicht mehr genug Nahrung finden. Auch das Igelpärchen „Sissi“ und „Franzl“ wohnen nun dort. Wir hatten sie letzten Herbst bei der Wildtierstation Igelhof Aurachtal abgeholt. Die beiden wurden in der Wildtierstation großgezogen und brauchten danach einen Winterschlafplatz, den sie bei uns fanden. 

Auch der Igeljunge „Sasha“ verbrachte den letzten Winter bei uns. Ihn haben letzten Herbst wir vor der Haustüre gefunden. Er wog damals nur 314 Gramm. Das war viel zu wenig, um heil durch den Winter zu kommen. Zu kleine Igel benötigen vor dem Winter mindestens 500, besser 600 Gramm. Also holten wir ihn zu uns ins Haus. 

Avocado – der gesunde Leckerbissen

Nach einem Tag mussten wir leider feststellen, dass er schwer krank war. Er hatte einen Darmvorfall. Diese Diagnose konnten wir mit Hilfe der Wildtierstation stellen. Wäre „Sasha“ im Freien geblieben, wäre er an einem Darmdurchbruch verendet. Durch eine Ernährungsumstellung auf überbrühtes Hähnchen und Avocado wurde er wieder gesund. Avocado ist eine natürliche Wurmkur für Igel. Außerdem hilft die Superfrucht beim Aufbau überlebenswichtiger Fettreserven. Hähnchen ist leicht verdaulich und versorgt den Igeln zusätzlich mit den richtigen Nährstoffen.

„Sasha“ blieb einen Monat bei uns im Warmen bis er 700 Gramm wog. Dann zog er mitsamt seinem Stall in den Garten. Die niedrigen Temperaturen brauchen Igel, um in den Winterschlaf zu kommen. Auch wenn es nur ein kurzer Zeitraum ist, sollte jeder Igel einen richtigen Winterschlaf halten. Dieser ist ein wichtiger Bestandteil ihres natürlichen Jahresrythmus. 

Mittlerweile ist „Sasha“ wieder aus dem Winterschlaf erwacht der sein Stall geöffnet. Wir wissen nicht genau, ob er noch ab und zu darin schläft. Manche Igel gehen für eine Weile auf Erkundungstour und kommen dann wieder. Auch wenn sie eine Weile bei uns auf Krankenstation sind, sind und bleiben sie WILD- und keine Haustiere. „Sasha“ war bereits der zweite Igel, den wir gesund pflegten und wieder in die Freiheit entließen.

Guter Rat sichert Igelleben

Unser erster Findling war „Lou“. Wir fanden sie im Keller eines Wohnhauses. Sie ließ sich von uns einfangen und in einem Karton nach Hause transportieren. Es war Januar, eiskalt und „Lou“ hatte nur 300 Gramm. In dem Keller hätte sie nicht überlebt.

Wir kontaktierten die Wildtierstation Igelhof Aurachtal zum ersten Mal und bekamen prompt professionelle Anleitung. Zuerst waren wir etwas überrumpelt von der plötzlichen Aufgabe. Doch die Wildtierstation ermutigte uns, uns dieser anzunehmen. Mit 300 Gramm hatte „Lou“ gerade genug, um von Amateuren, wie wir es waren, versorgt zu werden. Alle kleineren brauchen umgehend Betreuung durch richtige Experten. 

Mythen über Igel

Als wir in unserem Bekanntenkreis über unser Findelkind berichteten, wurden wir von vielen verunsichert. Einige behaupteten, Igel seien sehr empfindlich und würden unter menschlicher Obhut selten überleben. Zudem erhielten wir viele gut gemeinte Ratschläge, die für „Lou“ lebensbedrohlich gewesen wären. Hätten wir diese befolgt, hätte sie nicht überlebt.

„Lou“ und die Wildtierstation haben uns viel gelehrt: Igel sind nicht empfindlich. Sie sind sogar ziemlich hart im Nehmen. Das einzige, das ihnen unter menschlicher Obhut zum Verhängnis werden kann, ist eine falsche Betreuung bzw. Therapie. Sie sind keine Haustiere und können auch nicht als solche behandelt werden. Es gibt zudem sehr wenige Tierärzte, die fundierte Kenntnisse zu Igeln haben. 

Um an ein Medikament gegen „Lous“ Lungenwürmer zu kommen, lernten wir einen kennen. Dieser Tierarzt meinte sofort, wir sollen vorsichtig sein, denn es gäbe keine spezifischen Medikamente für Igel. Ein Medikament, das uns nicht von der Wildtierstation empfohlen wurde, würde er auch nicht anwenden. Er habe kürzlich ein Igelseminar besucht und fragte uns, wie viel der Igel wiege. „Lou“ wog zu diesem Zeitpunkt bereits etwas über 400 Gramm. Er meinte, dies sei sehr wenig und wir sollen uns nicht zu viel Hoffnung machen, dass sie es schaffen würde. Als wir ihm erzählten, dass wir sie mit 300 Gramm gefunden hätten, war er völlig begeistert. Er sagte: „Das ist ja super, machen Sie weiter so. Ich drücke Ihnen die Daumen.“ Er hatte auch Verständnis dafür, dass wir „Lou“ extra nicht mitgebracht hatten, damit sie nicht falsch behandelt werden würde. 

„Lou“ erwachte an Ostern vor zwei Jahren aus dem Winterschlaf und besuchte uns das ganze Jahr über weiterhin im Garten. Einmal brachte sie auch einen Freund zu uns mit. Sie wurde eine Igelin von stattlicher Größe. Aufgrund ihrer Ähnlichkeit könnte „Purzel“ sogar eines ihrer Jungen sein.

Was tun, wenn ihr einen kranken Igel findet

Kontaktiert bitte zuallererst richtige Experten. Eine Wildtierstation sollte immer die erste Anlaufstelle sein. Solltet ihr keine in eurer Nähe finden, könnt ihr bei Fragen auch gerne uns kontaktieren. Wir sind zwar noch keine Experten, haben jedoch einige Erfahrung und Kontakte zu wirklichen Experten. 

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